„Vielleicht hätte ich reale Briefe schicken sollen. Und nicht die Flüsterpost.“

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Wir verteilen uns alle auf der Welt. Wir verteilen Herzen an unterschiedliche Personen. Oft bleibt die Adresse unserer Geheimnisse auch nicht die Selbe. Manchmal gucke ich durch alte Bilder. Vor drei Jahren zum Beispiel. Es ist alles so lange her. So weit weg. Wenn ich mich ganz doll anstrenge, weiß ich noch wie die Luft roch. 

Vieles hat sich geändert. Die Umgebung, mein Umfeld, ich mich selbst. Freunde gingen. Irgendwie waren sie plötzlich weg. Man hört auf miteinander zu schreiben. Zu reden. Und sieht plötzlich in eine komplett unterschiedliche Zukunft. Wir stiegen alle in verschiedene Flugzeuge, hatten alle ein anderes Reiseziel. Manchmal fahre ich unsere Routen gedanklich nach. Erinner mich an damals. An unsere Träumen. Pläne. An unseren Größenwahn. Wie dumm wir doch waren und wie einfach die Welt. Es fühlt sich komisch an, Menschen die damals so wichtig in das Leben integriert waren nur noch als irrelevanten Teil irgendwo in der Ferne zu sehen. Aus Erzählungen raus zuhören. Auf Bildern zu entdecken. Wir haben uns alle entfremdet irgendwie. Obwohl ich unsere Freundschaft damals versiegelt habe. „Uns wird niemals etwas trennen“, hießen die Bildbeschreibungen auf verschiedenen Online Portalen. Damals. Die bekannten ABFs. Wo sind sie hin?
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Kein Anruf. Keine Nachricht. Kein Besuch. Töne wurden gespuckt. Ich lernte neue Leute kennen, bemühte mich aber stets an der Vergangenheit festzuhalten. Ich wollte euch mitnehmen in meine Zukunft, doch verlor euch in der Gegenwart.Und manchmal schreibe ich noch eine kurze Nachricht in Whatsapp. Doch wir brechen. Die Inhalte sind dünn. Ich glaube, wir haben uns schon alle längst aus den Augen verloren. Längst nichts mehr zu sagen. Haben uns unbewusst gegenseitig alle ersetzt. Ich verlor Freunde, wie die Münzen in der Tasche. Nur ganz wenige, die blieben. Die sind immer noch da. Ich habe sie ganz sicher in mein Sparschwein gesteckt.

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Und irgendwann merkte ich, dass Erinnerungen wohl das Kostbarste sind, was man besitzt. Und das Ereignisse irgendwann damals, viel mehr Bedeutung bekommen. Man lernt das Vermissen auf eine ganz andere Art und Weise kennen. Vermisst man die Person? Oder nur die Zeit? Den Lebensabschnitt? Oder diese Leichtigkeit? Hätte ich mehr anrufen sollen, mehr schreiben? Vielleicht hätte ich reale Briefe schicken sollen und nicht die Flüsterpost.Denn von Berlin bis nach Bayern kommen Worte manchmal viel zu leise an. 

 

Fotos: Julian Bolter