Sparflammenwelt.

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Irgendwo verloren zwischen zwanzig und dreißig liegen wir zwischen den Pfützen aus Wodka und frisch geteertem Asphalt, der aus der bitteren Realität besteht. Das Leben ist kein Wanderweg, das haben wir spätestens jetzt begriffen. Wohl eher Hindernis Parcour. Kein Wanderzirkus oder Streichelzoo. Eher so Züchtungsgehege. Versuchslabor. 

Wir wollen den Morgen sehen. Und durch die Nacht tanzen. Aber trotzdem ausgeschlafen aufwachen, um unseren frischen Macha Latte zu genießen und dazu ein Avocado Brot. Ja, im Kopf ist die Welt so schön clean und zurechtgerückt, doch ich plumpse mal wieder aus dem Bett mit einer Frisur wie Tarzan.
Neue Handynummer. Neue Herzklopfen. Neue Lovestory, die nach der nächsten Nacht wie immer die Kurve kratzen wird. Und in der neuen aufgebauten rosa Welt, rieche ich schon den nächsten Tequila, der mir aus der Zukunft bis in die Gegenwart entgegen duftet. Alkoholisierte Tränen vorprogrammiert! Den Promillenwert? Riech ich noch nicht heraus.

Dröhnender Kopf. Leerer Geldbeutel. Cash Flaute. Münzensammlung. Sparschwein knacken – Kupfergeld. Kein Gold. Kein Silber. Sparflammenwelt.  – Wir verlieren unsere letzten Münzen. Während wir vor dem Konsum fliehen der uns jeden Tag daran erinnert, dass wir ein niemand sind. „Doch ohne Geld bist du nichts“, ruft er dir lachend hinterher. Er manipuliert die Menschheit.  „Mit Freundlichkeit kommst du nicht weit“, ruft das Leben und macht die Schranke zu. Wir sind wie Bankräuber auf der Flucht vor dem endgültigen Ruin und suchen vergeblich nach Gründen, warum ein gutes Herz viel mehr Wert ist, als ein Stück buntes Papier!

Die Zwanziger. Wir wissen alle: Anstrengende Zeiten! Gerade die Pubertät verlassen und in die Selbstfindungsphase gerutscht. Und wir sitzen beim Friseur. Färben uns die Haare erst einmal Lavendel Grau. Und dann sind da diese Herzklopfen. Die Bände sprechen. Und wenn wir vorgeben nicht lesen zu können: Flüstern sie uns ins Ohr. Und wenn wir vorgeben nichts zu hören: Stehen sie vor uns. Versperren den Weg. Einfach so. Ganz aus Prinzip! – Verlieben ist teuer. Wir bezahlen mit Herzklopfen. Weil uns sonst nichts bleibt. Sehen die Tulpen sprießen. Und gerade wenn wir von der Aussicht schwärmen möchten, erinnert uns das Leben wie immer, dass es ein Hindernis Parcour ist und kein Wanderweg. Aus Herzklopfen gebauten Häusern wird der Grund entrissen. Denn Enttäuschungen sind günstig und Lügen billig gebaut. Festlegen, nimmt uns nur alles was wir haben. Bis wir eines Tages wieder verloren zwischen den Pfützen aus Wodka liegen. Auf dem frisch geteerten Asphalt, der bitteren Realität.  Leerer Geldbeutel. Cash Flaute. Münzensammlung. Sparschwein knacken – Kupfergeld. Kein Gold. Kein Silber. Sparflammenwelt. 

 

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Fotos: Julian Bolter