„Er liebte die Einsamkeit.“

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Die Sonne stand auf halb acht und er nahm den ersten Schluck seines Kaffees heute Morgen. Schwarz. Ohne Milch. Kein Zucker. Einfachheit spiegelte sich in seinem Verhalten bereits schon bei seinem Morgenritual. Rituale. So wollte er das gar nicht nennen. Denn Rituale erinnerten ihn an Gewohnheiten und Gewohnheiten hasste er. Weil er sie so sehr liebte. Sie versperrten ihm die Wege zu neuen Möglichkeiten, kaum greifbar. Wie als blicke man aus einem beschlagenen Fenster.  Den Moment verpasst. Auszubrechen. Wegzulaufen. Anstatt das Neue und Befremdliche zu erkunden, was ihm Angst machte. Und er versteckte sich hinter seinen Gardinen. -Genauso wie tagtäglich hinter seinen Gewohnheiten.
Die Sonnenstrahlen fielen durchs Fenster und zeichneten dezente Schatten auf den Boden. Ein alter Dielenboden aus Holz. Unter ihm das Leben begraben. Wie viele Füße wanderten bereits über ihn? Und mit ihnen – wie viele Geheimnisse? Wie viele Geschichten? Fragen ohne Antworten. Die ihn glücklich machten. Er lebte vor sich hin und das war das, wofür ihn jeder bewunderte. Denn er brauchte nichts, außer sich selbst und die Ruhe. Er brauchte die Einsamkeit genauso sehr, wie den schwarzen Kaffee am Morgen. Er nahm einen zweiten Schluck und blickte aus dem Fenster. Dünen waren in Nebel gehüllt und die Wellen brachen am Strand. Möwen hatten gerade eben noch ihre Spuren verteilt, nun zogen sie unbeschwert ihre Kreise am tristen grauen Himmel. Er liebte die See. Nirgendwo anders könnte er sich mehr Zuhause fühlen.

Denn er liebte die Einsamkeit. Weil er es konnte. Er konnte mit sich alleine sein.

 

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